24 Stunden Erreichbarkeit
Großtiere: 02992 - 26 33
Kleintiere: 02992 - 90 36 46

Blauzunge und BVD

05.10.2010

Impfungen gegen Blauzunge und BVD

Aktueller Stand Blauzungenerkrankung/Impfung 2010

Am 21. August 2010 war es vier Jahre her, dass in Deutschland der erste Fall von Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 (BTV-8) festgestellt worden ist. Bis Ende 2006 summierte sich die Zahl nachgewiesener Fälle auf 890. Anders als erhofft überstand das Virus den mitteleuropäischen Winter und trat im Jahr 2007 wieder auf, diesmal mit weitaus verheerenderen Folgen für Tiere und Wirtschaft: Im Zeitraum 01.05.2007 bis 31.12.2007 wurden im Tierseuchennachrichtensystem TSN insgesamt 12.483 Schafe und 2.893 Rinder als verendet gemeldet. Sämtliche Maßnahmen wie die Behandlung der Tiere mit Insektiziden oder Handelsbeschränkungen konnten die rasante Ausbreitung der Blauzungenkrankheit nicht verhindern. Daher wurde ab Mitte Mai 2008 mit der flächendeckenden Pflichtimpfung gegen BTV-8 begonnen. Der Erfolg war sofort erkennbar - vom 01.05.2008 bis 31.12.2008 wurden nur noch 3.067 betroffene Betriebe im TSN gemeldet; 2009 blieb die Anzahl der festgestellten Neuinfektionen auf 12 beschränkt, was einer Reduktion im Vergleich zur Vorsaison um über 99 % entspricht. Im Jahr 2010 wurde bisher noch kein einziger Fall gemeldet (Stand: August 2010). Es bleibt abzuwarten, ob Deutschland trotz der seit Januar 2010 aufgehobenen Impfpflicht auch in Zukunft frei von BTV-8 bleiben wird und wann die seit 2006 bestehenden Restriktionszonen aufgehoben werden können. Experten wie der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Prof. Thomas Mettenleiter, hat in der Vergangenheit mehrfach die Entscheidung des Bundesrates, die Pflichtimpfung gegen die Blauzungenkrankheit abzuschaffen, kritisiert, da die wissenschaftliche Risikobewertung eindeutig sei. Während der Zeit der Pflichtimpfung seien nur noch sieben Neuinfektionen mit dem Virus festgestellt worden. Ohne die Impfung waren es im Jahr 2007 mehr als 23.000 Fälle. Ohne eine Durchimpfung, könne sich das Krankheitsgeschehen bereits 2012 wiederholen. Bei einer Remontierungsrate von rund 30 Prozent sei es absehbar, dass in wenigen Jahren die Tierbestände dem Virus wieder ohne jeglichen Schutz ausgeliefert seien.

Die Zucht- und Besamungsunion Hessen (ZBH) weist ebenfalls darauf hin, dass nur geimpfte Tiere ausreichende Vermarktungschancen haben und die Impfung gegen die Blauzungenkrankheit für den Export in BTV8-freie Länder zwingend erforderlich ist. (abgeschlossene Grundimmunisierung der Tiere sowie gegebenfalls eine Wiederholungsimpfung innerhalb eines Jahres)

Unsere Impfempfehlung gegen Blauzunge:

Alle weiblichen Tiere (auch Fleischrinder und Absetzer) die für eine Vermarktung vorgesehen sind (Verkauf, Export, Auktion) sollten vorschriftsmäßig geimpft sein

Grundimmunisierung: 2 malige Impfung im Abstand von 21-28 Tagen

Wiederholungsimpfung: max. 405 Tage nach Abschluss der Grundimmunisierung

Männliche Tiere, welche an Besamungsstationen verkauft werden sollen, dürfen nicht geimpft werden

Wie viele Impfungen ist auch die Blauzungenimpfung einen vorbeugende Maßnahme und hat keinen sanierenden Charakter. Wer seinen Bestand auch in Zukunft vor einer erneuten Infektion mit Blauzunge schützen möchte, kommt um eine Impfung des gesamten Tierbestandes nicht herum.

Aktuelles zur BVD-Sanierung und BVD-Impfung

Die Bovine Virus Diarrhoe (BVD) gilt als eine der verlustreichsten Infektionskrankheiten des Rindes und wird in einigen Untersuchungen in Deutschland mit durchschnittlich 23 Euro je Abkalbung beziffert (Beer et al., 1997).

Die neue BVD-Verordnung des Bundes sieht eine verpflichtende Sanierung bzw. Statuserhebung in allen Rinderbeständen ab dem 01.01.2011 vor. Die Kälber können zukünftig durch den Tierhalter mittels spezieller Gewebeohrmarke selbst beprobt werden. Die beim Einziehen der Gewebeohrmarke anfallende Haut wir in den Untersuchungseinrichtungen auf BVD untersucht. Der Tierhalter kann damit zukünftig die Tierarztkosten für die Blutprobenentnahme einsparen.

In Nordrhein-Westfalen und in Hessen sind bereits in diesem Jahr viele Betriebe freiwillig in die Sanierung eingestiegen, um damit frühzeitig einen Unverdächtigkeitsstatus zu erwerben zu können. Hierfür war die Untersuchung der Betriebe (Blutuntersuchung) und die Merzung der Virus-positiven Reagenten erforderlich. Die Besonderheit ist, dass ein negatives Untersuchungsergebnis eines Rindes lebenslang Bestand hat.

Ab 01.01.11 haben Betriebe, die einen unbekannten Status haben, mit Handelshemmnissen zu rechnen, da jedes Tier vor der Verbringung mit einem negativen Ergebnis untersucht werden muss.

BVD-Impfung:

Wenn ihre Betriebe in Zukunft über die Diagnostik Virus-frei (d.h. BVD unverdächtig) sind, so ist die kommende Nachzucht mit ihrer Immunität ausnahmslos nur noch von Impfungen gegen BVD abhängig, da es in der Herde keine Auseinandersetzungen des Immunsystems mit dem Feldvirus mehr gibt. Trotz Virämikersuche und -merzung kann es, wie aktuell in einem Betrieb geschehen, zu einer Infektion ungeschützter Muttertiere kommen, was zu kostspieligen Totalverlusten geführt hat. Die Impfungen der Muttertiere haben also keinen Sanierungseffekt sondern sollen im Falle einer Erregereinschleppung in den Bestand (durch Wildtiere oder Tierhandel) wirtschaftliche Schäden verhindern.

BVD-Impfungen haben als Prophylaxemaßnahmen also den Zweck einer „Versicherung" um die Wirtschaftlichkeit und Störungsfreiheit der Tierproduktion zu garantieren. Sie sollten genauso selbstverständlich zur Routine gehören wie Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen, das antibiotische Trockenstellen oder die Milchkontrolle.

Da in Hessen der Impfstoff von der Tierseuchenkasse weiterhin zur Verfügung (Stand: 04.10.2020) gestellt wird, ist der Kostenaufwand einer Impfung mit etwa 2,30 Euro pro Tier relativ kostengünstig.

Unsere Impfempfehlung BVD (solange Deutschland noch nicht BVD-frei ist):

alle Rinder vor dem Belegen grundimmunisieren

Grundimmunisierung: 2 malige Impfung im Abstand von 21 Tagen, frühestens nach 10 Tagen belegen

Wiederholungsimpfung: 12 Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung

zurück zu Infoletter Rind | Tierarzt für Großtiere